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Das schlaue Bubele.
Das nehm´ich mal vorweg-auch wenn es erst am Ende unserer Wanderung von
Kreuzberg in die Knaackstrasse (Prenzlauer Berg) auftauchte. Das Bubele saß mit
Mama um die 50 und wohl Opa im feinen englischen Tuche (Sakko, Pfeffer und
Salz, Weißwein SCHON mittags…Opa, Opa…!?) zum Frühstücken bei „Anita Wronski“
(Knaackstrasse). Mama war figurtechnisch schon etwas zerlaufen, jedenfalls
immer stolz aufs flaumbärtige Bubele, das ohne Punkt und Komma dem ebenso wohl
stolzen und staunenden Opa mit knarzender Post-Pubertäts-Stimme und moderatem
Oberlippenflaum alles erzählte, was er angesammelt hatte. Von Details des
PC-Wesens bis zur Schulpolitike. Und keiner sagte, was ich dachte: „Halt doch
einfach mal die Schnauze!“ Hätte ich natürlich bei meinem Sohn auch nichjemacht.
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Tabor-/Wrangelstrasse (Kreuzberg) |
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Denkwürdige Mrs.
Unknown. Ewig schad´, Frollein! Das hatte nicht
nur ein Wiener gesagt, der dermaleinst meine Mutter haben wollte (die aber
schon weg war vom Markt), sondern ich
sage es nach einer denkwürdigen Begegnung, die mir einen 10minütigen, teils
schaudernden, teils fassungslosen Blick
in die Großereignisse des vergangenen Jahrhunderts erlaubt hatte. Unser weiterer Weg hatte über das
Mauerrestchen voller „Berlin in two days“-Touristen namens East side gallery geführt.
Ich durfte mittels einer Leiter, die bis an den Mauerrand reichte, etwas den
Aff´ für Michaels bekannt gute Fotos und ein paar andere spielen, das Freiareal
etwas gießen (auch in Berlin: wo sind die Toiletten???). Dann musste etwas Ruhe
sein, hinsetzen, Geldautomat suchen. Gab es alles in einem Kaufhof kurz nach
einer Passage mit bester Plattenbau/Ostware nähe Ostbahnhof. Ich breitete meinen mini-Stadtplan aus,
checkte, ob wir noch ungefähr auf der Nord-West-Hypothenuse Richtung
Kollwitzplatz wären und dann kam sie.
Eine kleine, schon etwas zusammengefallene Dame mit Perücke, die mich höflich
fragte, ob sie mir helfen könne. Zwar brauchte ich eigentlich nichts, aber ich
wollte sie ob ihrer Freundlichkeit und meiner Neugierde auf Unvorhergesehenes
nicht einfach in Ehren entlassen. Ich fragte, sie geriet ins Erzählen. 87 war
sie-siebenundachtzig ! Das gab´s in
ihrer Geschichte: der erste Mann war ein chinesischer Medizinprofessor aus
Hongkong - sie hatte auch dort eine Zeit lang gelebt und war zwei mal von
Taifunen um ihr gemeinsames Hab und Gut gebracht worden. Weitere 3 mal sei sie
ausgebombt worden, dieses Mal in Berlin. Ihr Mann wurde später Opfer der der Kulturrevolution in China in den späten
60er Jahren, er wurde ermordet. Mann No 2 soll ein DDR-Boxtrainer namens
„Kramer“ gewesen sein, der Manfred Wolke von der Strasse geholt und Henry Maske
entdeckt haben soll. Und ihre Stasi-Akte sei „so hoch“ – nach ihrer
Handbewegung etwa 80 cm. Mein Versuch, sie zur Literarisierung ihrer Geschichte
zu bringen, begegnete sie mit Abwinken – vier mal habe sie es schon versucht. Mir wollte sie dann auch nichts weiter
sagen und ging.
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