WILD WIE BILD - GSCHEIT WIE ZEIT

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Montag, 17. September 2007

Arcaden II

Das Letzte, was man während des Endspurtes hat lesen können war, wie trefflich und umfangreich sich die Architekten sogar über die Beregnung der Buswarter und -innen Gedanken gemacht hatten: dass ein in großer Höhe vorkragendes Dach nämlich die Wartenden genauso schlecht schütze wie die vom Publiko als fehlend gerügten Buswartehäuschen.
Gehen wir mal davon aus, dass das der Regen auch weiß.
Die Anbringung der Außenwerbung am Wochenende zeigte für die gierig auf N e u e s Wartenden ehr ein Gruselkabinett des lange Bekannten: Reno-, und Deichmann-schuhe, New Yorker, Vodafonee...oh je...nichts, was wir nicht schon gehabt hätten ohne es zu brauchen: Vielleicht hat es aber immerhin für das Stadtklima positive Folgen, wenn der Kohlrouladenduft der miefigen Billigware nicht mehr die g a n z e Stadt durchweht, sondern sich konzentriert und hermetisch abgeschlossen unter einem Dach befindet. Da können wir dann die Einkäufe in der ruhigen Reststadt geniessen, ohne auf Schuhe für 7,95 € (solche wurden in den den Erlanger Schnarchrichten beigelegten Werbebroschüre als einer der Knüller der Arcaden beworben) zu stossen. Doch auch dabei werden wir schon von dem Wind umweht, den die Arcaden produzieren: wer bis 30.9. bei "Ihr Platz" (oder sagte man dann: bei "Meinem Platz"?) gleich z w e i Paar Slipeinlagen kauft, zahlt statt satter 2.99 € bloß 2.49 € (sagt der Prospekt).
Genug der Vorrede:
Man hatte sich ja schon gefragt, wieso so etwas Wichtiges wie die Eröffnung augerechnet an einem Dienstag (statt am Wochenende) stattfinden mußte...Es steht zu vermuten, dass man dann gänzlich haarsträubende Verkehrsverhältnisse zu erwarten gehabt hätte und man sich s o die dann vermutlich am Montag schlechte Presse ersparen ("Geiz ist geil") wollte.
So ward denn also zunächst am Montag abend der schöne Vorplatz von einem Häuflein wichtiger und sich für wichtig haltender Männ-, und Weiblein gefüllt, angeführt vom wie immer gut gelaunten Bürgermeister Lohwasser (das schreckliche Handtäschchen sei ihm verziehen: vielleicht braucht man für den Redetext doch ab und zu einige Informationen oder hat einfach Schnupfen und muß eine Großpackung Tempos mitnehmen) und neckisch umspielt von zwei roten stachligen Riesen, die auf die Prominenz der Teilnehmer keine Rücksichtnehmen mußten.
Jedenfalls war die Atmosphäre angenehm ruhig und man konnte auf den bequemen Stühlen des angrenzenden Cafés das Ensemble auf sich wirken lassen. Und es w i r k t wirklich: trotz der gigantischen (für Erlanger Verhältnisse zumindest) Größe angenehm leicht, luftig und transparent - weit entfernt vom hohlen Protz des Helmut-Kohlschen Kramnpfzleramts in Berlin.
Ja, die Architekten KJS+ sind ja keine Dummen: wer schon mal (nur e i n e s der Werke..) im Garten des aussergewöhnlichen Hauses Jägerstrasse 3 (in Erlangen: zwischen Bayreuther-, und Bergstrasse) war, wird dort einen Trick festgestellt haben, der nun bei den Arcaden so to say reziprok wirkt. Das Motto scheint zu heissen: "die Biegung macht´s!"
In der Jägerstrasse galt es , einen ebenso zu langen wie zu schmalen handtuchförmigen Garten weniger schlauchmässig und beengend aussehen zu lassen. Dies wurde genial dadurch gelöst, dass man die in den Garten führende Hauswand nicht einfach gerade, sondern vom Inneren weg leicht nach Aussen zu gekrümmt verlaufend (gewiß eine Herausforderung für jeden tapferen Maurer) plante - der Garten sieht dadurch viel größer aus.
Bei den Arcaden sorgt dafür die Krümmung im Inneren dafür, dass man von der Größe nicht erschlagen wird.
Meine Herren: Gratulation.
(Vielleicht liegt´s an dem neuen Outfit/Corporate Design, das sich die Herren gegeben haben im Logo: untermalt von Farben mit Le Corbusier-Touch und Linien im Sinne der Theorie(en) von Leonardo da Pisa, später Leonardo Bonacci, einem Mathematiker, der etwa 1180 bis 1241 lebte und über den man spricht:
" Mit Fibonaccis Zahlen verbinden sich für uns Dynamik, Wachstum und kreatives Problemlösungspotential"
(so zu lesen bei www.jumk.de/fibonaccizahlen/fibonazzi .php)
Um 6 jedenfalls herrschte Belagerungszustand: Menschen mit einem Durchschnittsalter von etwa 20-30 mußten offenbar zwanghaft alles mitnehmen, was sich nicht einfach so transportieren liess: den Plasma-Bildschirm mit 106 cm Bilddiagonale, den Laptop für 699,- €...Alles was gut (Stereoabteilung: gähnende Leere) oder klein war (der Braun-Rasierer aus der alten 3´er Serie, aber dafür aufgepept mit einem "Haaraufsteller" für 22,- €-wollte niemand) blieb weitgehend unbeachtet.
Das folgt natürlich durchaus einer gewissen Logik: wenn man den Ferrari für 85.000,- € bekommt, kann man sich von den "gesparten" 70.000,-€ ja schon fast ne Ein-Zimmer-Wohnung leisten - d a s geht natürlich beim Kauf eines USB-Sticks nicht.
I c h hätte mich schon gar nicht hineingetraut: am Eingang des Saturn hatte man 3 Herren plaziert - Typen , die man in dieser Drastik sonst nur bei Boxkämpfen sieht: wahre Hünen von Gestalt und Gewicht, gegelte Haare, Headset oder Sprechfunk als Waffen am Mann, mühsam in Anzüge gezwängt, die ihren Mangel an Seriosität nicht kaschiern konnten (der eine der Herren hatte - "einfachheitshalber"? -dazu auch seine Normalschuhe an: puma-Turnschuhe).
Zwischen dem Ansturm (von dem aber die aus München importierten Saturn-Mitarbeiter sagen, das sei n i ch t s gegen die Zustände bei Eröffnung in größeren Städten gewesen!) bei Saturn und der Öffnung des Gesamthauses um 8 Uhr war ein bisschen Zeit zum Eindrücke-Sammeln: wer auf die oberen beiden Parkdecks fährt, hat einen schönen Ausblick auf Goethestraße, Altstadt und den Burgberg - zum Glück hat man da eine Art Mittelding zwischen Drahtzaun(wahrscheinlich haben die vielen hier zu hörenden Sachsen ihren "Maschndrahtzaun" mitgebracht) und Lochblech angebracht, der die Sicht nicht behindert.
W e n i g gelungen ist die Praktikabilität der Orientierung beim Parken/Einkaufen: wer sein Auto verlässt, sieht nur an ganz wenigen Stellen (ich wurde gefragt, ob ich wüßte, wo...), wo es zu den Aufzügen geht. Genauso auch beim Zurückkommen zum Auto: weder in den Aufzügen sieht man, was auf den einzelnen Etagen angesiedelt ist (vielleicht eine Folge der übereilten Öffnung) noch an dem Plastikbutton, den der Parkautomat auswirft, wo das Auto stehen könnte. Man muß es sich merken.
Leider interessiert das Problem auch kein Schwein: sagt man es der däumchendrehenden Dame am Empfang, erfährt man, dass das Problem bekannt, das Zendäämänädschment dafür aber unzuständig sei. Ein Herr(naja), der mich uniformiert bei den Parkplätzen ansprach und sich als Ordnungsmacht gerierte, wollte gleichfalls hiervon nichts wissen. Es wird sich also nichts ändern - die Leute werden weitersuchen müssen.
Eigentlich wäre es doch möglich, dass in jeder Parkebene ein Automat Parkkarten mit dem Aufdruck des Stockwerks auswirft...Naja, wir ham´ja noch unser Gehirn.
Die Kosten für so einige Nacharbeiten (z.B.die offenbar in aller Eile bearbeiteten Übergänge von Wandverputz zu den (vermutlich) Schaltkästen bei den Aufzugseingängen der Parkdecks - da hat der Handwerker in mir schon aufgejault. Oder: die Betonplatten, die auf der Nordseite bei den Bushaltestellen um die Gully-Deckel verlegt sind. hier hat man "Kreise" mit dem Lineal, nicht mit demZirkel gezogen, ziemliche Schlamperei) tragen wir ja via Kauf eines Plasmafernsehers selber.
Am Ausgang des Lifts hatte die genial planende (Sicherheits-) Firma einen Herren aufs Parkdeck gestellt, vor dem man sich mal nicht fürchten mußte: er hatte Normalmaße und war ein ziemlich armer Hund: hatte fast schon die ganze Nacht gearbeitet und mußte noch den ganzen Tag für weiter geordneten Ablauf sorgen.
D i e s versuchte man auch an der Ausfahrt des Parkdecks - allerdings nicht immer erfolgreich: wegen Überlastung der Warenanlieferung mußten die LKW zum Teil durch die bei der Ausfahrt gelegene Anlieferung fahren, was natürlich den Abfluß der schon gekauft Habenden kräftig behinderte.
Dennoch gab der hierfür zuständige Herr des "Zendäähmänädschmänds" bereitwillig Auskunft(dass es nämlich 600 Parkplätze gäbe, von denen um 7 Uhr 15 erst 317 besetzt waren - um halb 10 war alles dicht), wofür ihm gedankt sei (womöglich hatte meine Frage aber Folgen, s.u.)
Ganz im Sinne von Bischof Meissner gab dann ein Pfarrer salbend-sakrale Worte zur Einweihung und Segnung des Ortes von sich, bevor der OB nach kurzer Rede (in der er dankenswerterweise die nach Erlangen gelockt Werdenden bat, auch in den s o n s t i g e n Teilen Erlangens, wie der Schiff-, und der Nürnberger Str. einzukaufen) punkt 8 Uhr das klassische rote Band durchschnitt und den (nunmehrigen, da ja gesegnet) Konsumtempel freigab.
Nach 2 Stunden ruhelosen und interessierten Kuckens war mir erst mal nach einem Päuschen - eingenommen im Café gleich links neben dem Eingang - bestückt mit e c h t e n t a l i e n e r n .
Und siehe da-big brother is watching you-sprach mich über die Schulter ein Herr der/des (?) MFI = Zendäämänädschment an und fragte, was ich hier täte, ob ich von der Presse sei, ich hätte hier niemanden zu interviewen, schon gar nicht etwas NEGATIVES zu verbreiten...man werde mich"im Auge behalten".
Aber meine H e r r e n... wer wird denn Schlechtes denken?! Schieben wir die kleine Entgleisung der Nervosität des Beginns zu.
Das Folgende wird mir daher wohl schon ein Hausverbot einbringen: wo sollen eigentlich die Fahrräder hingestellt werden - oder will man die gar nicht erst haben? Fahrradständer habe ich jedenfalls keine gesehen. Es würde den großzügigen Platz vor dem Haupteingang sicher k a u m verschönern, wenn dort 100e von Rädern stünden.
Geschockt von der Intervention des big brother, gestärkt vom café kam nun der Rest dran: das Gebäude wirkt -durch die ihm innewohnende Biegung - keineswegs protzig-erschlagend, das war als Angenehmes zu registrieren.
Die Läden - s e h r durchmischt: viel Billigschrott im Kleidungssektor, der uns sicher nicht lang erhalten bleiben wird (wenn nicht d o c h die Totalinvasion der Forchheimer kommt). Einige erfreuliche Neuigkeiten: z.B.ein Thommy Hilfiger-Laden.
Wer sich von d i e s e m aus ins nächste Stockwerk begibt, findet einen (ich vermute) Hilfiger-Imitat-Laden: Nennt sich Casa Moda - dort gibt es z.B. Pullover in klassischen Designs und einem Logo, dessen Farben kaum zufällig a u c h rot/weiss/blau sind und bei denen hinten-oben gleichfalls innen als Futter der Jeansstoff auftaucht...Merke: nicht bloss der Chines liebt die Produkte der erfolgreichen Hersteller der Welt. Dafür kosten die besagten Pullover eben auch keine 99,95 Euronen, sondern deren bloss 49,95. Einen Lebensdauerhaltbarkeitstest konnte ich angesichts der Jugendlichkeit der Arcaden noch nicht machen.
Schön gemacht mit 2 verschiedenfarbigen Fußbodenhölzern der Spielzeugladen (Jako) über dem Eingang.
Erfreulich auch, dass man in der Innenstadt endlich (nach dem Wegfall von Meseke, dem Kaufhof-Tiefgeschoss) wieder Essen kaufen kann und nicht für jeden Furz in einen neuen Laden rennen muß: der gute alte Bauernladen Dorn (früher neben dem H&M in der Nürnberger Str.), immer gut für ein leckeres Brotsortiment und ebensolches aus dem Bereich Wurst/Aufstrich ist gleich am Südeingang zu finden (warum man gleich daneben den Beck gelegt hat...hmm...kein Meisterstück), eine "Vollsodimendor" des guten alten DDR-Konsums (der Kenner weiß, daß er auf der ersten Silbe zu betonen ist) aus Leipzig (man hört´s) und mehrere Spezialisten für das Eine oder Andere aus dem Futterbereich. Gute Idee.
Beim KONsum gibts endlich mal Bionade - sehr erfrischend-angenehmes Getränk.
Ein Kaffeechen gibts auf jedem Stockwerk-einige Klassiker sind vertreten, ganz marktwirtschaftskonform kostet der espresso am Eingang am meisten (1,90 €) und im Keller am wenigsten (1,50 €), was aber auf die Qualität keinen Einfluss hat.
Exklusiv gibt es auch ein Illy-Café: das ist ja für jeden echten Fan des Multi-Straftäters Berlusconi doch eine gewisse Genugtuung: Riccardo Illy, seines Zeichens Inhaber der Firma , war zunächst ab 1993 Bürgermeister von Trient und hat dann als späterer Regent der Region Friaul/Julisch-Venetien die Partei Berlusconis aus diesem Amt verdrängt.
Es ist dies erst der 6.Illy-Shop in Deutschland. Der dort arbeitende (wiederum: e c h t e , aus Bergamo, sonst in Zwickau arbeitende-er schien mein "WAS? des is ja n o c h schlimmer!" verstanden zu haben)) Italiener hat mich s e h r erfreut: neben seiner äußerst progressiven Brille ist er einer der wenigen Menschen, die n o c h abstehendere Ohren haben als ich. Danke, das hat gut getan am frühen Morgen.
Den Trend e t w a s verschlafen hatten Vodafone und H&M: wo man bei den anderen um 8 sektgeschwängerten O-Saft gereicht bekam (keineswegs bei a l l e n übrigens), bedeutete mir eine etwas mißmutig vor dem Laden stehende vodafone-crew etwas stark dünnlippig, man öffne erst um halb 10 - da war wohl was schiefgelaufen.
H&M sonnte sich dagegen offenbar guten Gewissens in seiner Verschlafenheit.
Ja, also i n s g e s a m t : positiver Eindruck. Wird man beobachten, aber sicher nicht das letzte Mal dort gewesen sein.
Heimgekehrt zum 2. Frühstück traf ich in der Apfelstrasse eine Politesse - eine, die diesen Namen ausnahmsweise durchaus verdient hatte, mit der ich - mich vor dem Zendäämänädschmänt sicher wähnend - erneut unerlaubt Gespräche führte.
Sie teilte mit, die "Bürger" hätten sehr diszipliniert geparkt, in den Verstoßklassikern Goethe-, und Güterhallenstrasse habe man überhaupt nichts aufzuschreiben gehabt (ich bildete mir ein, einen Ton des Bedauerns vernommen zu haben). Sie freue sich im übrigen über "DM" in den Arcaden - dort gäbe es ein billiges und qualitativ hochwertiges Angebot. Und für den Innenstadtbewohner eine frohe Kunde unter der Hand: man habe (inzwischen-ich kenne das anders!) von höchster Stelle Anweisung, nun erst ab 9 Uhr 30 (bisher mußte man ab 8 damit rechnen) rigide Knöllchen zu verteilen.
Hätte ich ein Mandat anderer geplagter Innenstadtbewohner würde ich sagen: Danke, Stadtöbere.
P.S. ...ach übrigens: um e i n e s kümmerten sich die Herren von der Security nicht: den etwa 103-fachen Verstoß gegen die Arcaden - Hausordnung: dort steht unter Ziff. 3 nämlich, dass das "Feilbieten von Waren nicht erlaubt" sei...Ach!?
Nachlese
Man hat schnell reagiert beim Zendäää: inzwischen wurden vor dem Haupteingang 3 Hinweisschilder aufgestellt, wo sich die F a h r r a d s t ä n d e r befinden, man findet sie also in ihrem guten Versteck (am Haupteingang einen Blick gen Süden werfen und dort durch eine große Durchfahrt gehen-auf dem Rückweg öffnet sich durch dieses Tor schön langsam der Blick auf Baum vor dem Eingang und Kirche am Hugenottenplatz: h a t was!).
Bei den Aldi-oder Lidl-Fahrradständern hat man ja immer das Gefühl, dass man ein ziemlich spastisches Fahrrad (nämlich mit einem etwa um 15 ° schiefsitzenden Vorderrad) haben müßte-h i e r hat man alles passend gemacht: das Ratt paßt nicht nur rein, man kann auch gut den Rahmen anschliessen).
Beim Betreten der Galerie von der Nürnberger Strasse aus passiert man recht bald eine Installation ("Digital River") von Fabrizio Plessi (der übrigens eine ziemlich gute Präsentation unter http://www.plessi.it/ besitzt), ein nettes Stück Kunst am Bau-leider schon von zahlreichen Fußspuren der Kinder verkratzt, die dort baden wollen. Mangels e c h t e n Wassers können sie aber bloß rutschen, ein Vorgang, der aber von quer verlaufenden Streben kinderfreudemindernd unmöglich gemacht wird.
Des morgens hat man beim Schlendern in den Arcaden auch um 9 Uhr schon den positiven Eindruck (den Erlangen ja ansonsten heftigst-schlafmützig zu vermeiden trachtet), dass die Stadt bereits eine gewisse geschäftige Lebhaftigkeit ausstrahlte: immerhin sind die noch geschlossenen Läden schon beleuchtet und das Wuseln bei den Essensproduzenten und denen, die nicht ausschlafen wollen, überträgt sich stimmungsmäßig auch auf den Rest.
Wer gezielt etwas zu Essen kaufen will (im Keller) trifft auf gewiss beabsichtigte Fußgängerstromlenkung: e r s t möge der Besucher doch bitte mal s c h ö n oben anfangen und sich alles zu Zwecken späteren Konsumes anschauen, bevor er seinen ordinären Gelüsten nachgeht: eine Rolltreppe nach u n t e n findet sich erst ziemlich weit im Inneren und das schamhaft versteckt hinter einer nach o b e n Führenden.
Aber, Gott: w i r Schlaumeier durchschauen das natürlich.
Die Gebäuderundung hat in der Tat einen überraschenden Effekt: wer sich vom Haupteingang aus einfach treiben läßt und dann gedankenverloren am anderen Ende hinaustritt, denkt sich"H u c h?? Was ist denn d a s für ne Strasse!?!" (die man da innerlich scheinbar von Ost nach West verlaufend plötzlich vor Augen hat). Aber: es ist eben die Nürnberger Straße, keineswegs verlegt.
Bei den Essensangeboten hat sich auch die Nordsee angesiedelt: etwas ungemütlich, wie sie es zu lieben scheint, aber immerhin gestankfrei. Als Apfelstrassenbewohner, der regelmäßig von den Ablüften der Fischbehandlung (der Fußgängerzonen-Nordsee )begast wird (die Düfte sollten e i g e n t l i ch über den langen Schornstein entsorgt werden, doch leider...), hofft man, dass nicht anwohnende Nasen hier an irgendeinem Eck das üble Nachriechen haben werden.
In Erlangen bisher den Versuch zu unternehmen, sich eine gute Zigarre zu gönnen war ziemlich nutzlos: nur das, was früher "die Gunia" in der Weißen Hertzstraße war, ist uns geblieben: ein Laden, der ausnehmend freundlich geführt wird und wo man auch kompetente Beratung geniesst, der aber aus allen Nähten platzt und daher einfach kein ausreichendes Sortiment zu Verfügung stellen kann.
Wer sich über die Treppe zu einem...äh... größeren Elektromarkt...in den Keller begibt, findet nun eine Filiale von W o l s d o r f f , die hieran etwas ändert: zumindest gibt es einen begehbaren Humidor, der e i n i g e auch cubanische Marken beinhaltet (S.Cristobal, Trinidad), die man bisher nur bei der Queen des fränkischen Zigarrenwesens ( Frau Christine K l e v e r , Casa del Puro, am Hauptmarkt in Nürnberg, http://www.casadelhabano.de/) bekommen konnte. Ob die B e r a t u n g bei Wolsdorff dem Angebot entsprechen wird, weiß man nicht. die bisher zuständige Dame (sehr freundlich auch sie) ist lediglich übergangsweise aus Bamberg ausgeliehen.
Erlangen ist ja nicht Kreuzberg-schon gar nicht das verhaute Kreuzberg, das es vor 1989 war. Dort hatte ein Buch von Sven Regener über das Lebensgefühl in Berlin in der Vorwendezeit gespielt, das von Leander Haußmann zu dem Film "Herr Lehmann" verarbeitet wurde(http://www.herr-lehmann.de/). Herr Lehmann tingelt sich so durch -alles ist ihm ein bißchen zu viel, aber zum Glück ging auch in Ostberlin das Bier nie aus, sodass Herr Lehmann immer ein bisschen Trost finden kann.
Als altem Besuchs-Ostler überkam mich auf einmal dieses Lebensgefühl, als ich bei der sehr schlecht besuchten (was der Segafredo-Café nicht verdient hat!) Bar im Konsum (Arcaden-Tiefgeschoss) sass:vor meiner (allerdings nüchternen) Nase tauchte als Servicekraft Frau Lehmann , 27, aus Dresden auf und bediente einsam, aber freundlich (es gab einen zweiten Keks).
All diese echten und zweifelhaften Genüsse setzen natürlich voraus, dass der Willige den Arcadenbesuch überlebt: dies ist jedoch vor allem an Samstagen keineswegs gesichert: die Klimaanlage hinterläßt ehr einen Leichenberg-ein Luftgemisch wie nach dem 13-Uhr -Läuten in der Schule: immer hart am Rand des Erstickungstodes.
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Kommentare:

Anonym hat gesagt…

guter bericht,
finde die arcaden unter dem strich auch gelungen, ein architektonischer ratzen stößt mir jedoch seit rohbauzeiten auf: der eingang nimmt in keinster weise die schöne organisch geschwungene form des hauptkörpers auf, vielmehr setzt er dem besucher eine spitz auslaufende ecke mitten in die feng shui seele. auch das einfallslose schmetterlingsdach stimmt einen traurig.
meine liebe herren architekten, da ist ihnen wohl die kreativität ausgegangen. oder dem investor der wille, echte baukunst der wirtschaftlichkeit zu opfern.
ahhhhh, tat richtig gut:-)

Tim hat gesagt…

Good Job! :)

Anonym hat gesagt…

I inclination not acquiesce in on it. I over warm-hearted post. Specially the title-deed attracted me to review the unscathed story.

Anonym hat gesagt…

Nice post and this post helped me alot in my college assignement. Thank you on your information.

Anonym hat gesagt…

Interessanter Beitrag